Rechte der Natur: Europäische Bürgerinitiative startet in Brüssel

Was wäre, wenn Flüsse, Wälder und ganze Ökosysteme eine eigene rechtliche Stimme hätten? Genau dieser Frage widmet sich die europäische Bürgerinitiative Rights for Nature, die am 2. Juli 2026 in Brüssel offiziell in die öffentliche Kampagnenphase gestartet ist.

Auch Protect the Planet unterstützt die Europäische Bürgerinitiative „Rights for Nature“ sowohl finanziell als auch organisatorisch. Denn wir sind überzeugt: Der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen braucht starke rechtliche Instrumente und neue Wege, Natur in politische und gesellschaftliche Entscheidungen einzubeziehen.

Mit einer Konferenz im Europäischen Parlament in Brüssel und einer öffentlichen Aktion auf dem Place du Luxembourg brachte die Initiative Menschen aus ganz Europa zusammen. Ihr Ziel: Die Europäische Union soll die Rechte der Natur rechtlich anerkennen und Ökosystemen eine stärkere Stellung in politischen und rechtlichen Entscheidungsprozessen geben.

Eine Million Menschen für die Rechte der Natur

Die Europäische Bürgerinitiative wurde am 19. Mai 2026 von der Europäischen Kommission registriert. Damit ist der Weg frei für die europaweite Kampagne und die geplante Sammlung von einer Million Unterschriften ab Herbst 2026.

Die Initiative fordert einen europäischen Rechtsrahmen, durch den Ökosysteme selbst rechtlich anerkannt werden und eine eigene Rechtsstellung erhalten können. Damit soll Natur nicht ausschließlich über die Rechte und Interessen von Menschen geschützt werden, sondern selbst eine stärkere Stimme bekommen.

Dabei knüpft die Initiative auch an bestehende Beispiele an. Als Vorbild wird unter anderem die spanische Lagune Mar Menor genannt, die als erstes Ökosystem in Europa eine eigene Rechtspersönlichkeit erhalten hat.

Auftaktveranstaltung „The Voice of the Wild“: Natur bekommt eine Stimme

Den Auftakt der Kampagne bildete am 2. Juli die öffentliche Aktion „The Voice of the Wild“ auf dem Place du Luxembourg, direkt vor dem Europäischen Parlament.

Von 12 bis 14 Uhr entstand dort ein gemeinsames, lebendiges Kunstwerk. Menschen konnten für einen Fluss, einen Wald, ein Meer oder einen anderen Ort bzw. eine Art stehen, die ihnen besonders wichtig ist. Ein zentraler Bestandteil der Aktion war dabei ein Witness Tree: Teilnehmende konnten ein Blatt für einen Ort oder eine Art gestalten, die ihnen am Herzen liegt.

Die Aktion machte die Idee der Kampagne sichtbar und gab Bürger*innen die Möglichkeit, selbst zum Teil der Bewegung zu werden. Die Botschaft war dabei einfach: Natur braucht eine Stimme – und diese Stimme können wir ihr geben.

Von der Straße ins Europäische Parlament

Am Nachmittag verlagerte sich die Veranstaltung in das Europäische Parlament. Ab 16 Uhr fand dort eine öffentliche Konferenz statt, die von Mitgliedern des Europäischen Parlaments aus verschiedenen politischen Gruppen ausgerichtet wurde.

Unter dem Leitgedanken „Is Europe ready to give nature legal rights – and what would it take?“ diskutierten Abgeordnete, Rechtsexpert*innen, Aktivist*innen und Vertreter*innen der europäischen Rights-for-Nature-Bewegung darüber, wie die Rechte der Natur in Europa gestärkt werden könnten.

Auf dem Programm standen drei zentrale Themen:

  • Die Anerkennung der Rechte der Natur: Was würde es bedeuten, Ökosysteme als Rechtssubjekte anzuerkennen?
  • Die Rolle der Bürger*innen: Wie können Menschen Ökosysteme rechtlich vertreten und schützen?
  • Der Aufbau einer europäischen Bewegung: Wie kann die politische und gesellschaftliche Unterstützung für die Rechte der Natur wachsen?

Zu den angekündigten Stimmen gehörten unter anderem Marie Toussaint, Saskia Bricmont, Cillian Lohan, Jessica den Outer, Eduardo Salazar, Camille de Toledo und Marine Yzquierdo. Die Aufzeichnung der Vorträge sind hier auf YouTube verfügbar.

Warum braucht die Natur eigene Rechte?

Im Zentrum der Initiative steht die Frage, wie Natur in politischen und rechtlichen Entscheidungen besser berücksichtigt werden kann.

Die bisherigen rechtlichen Instrumente zum Schutz der Umwelt sollen dabei nicht ersetzt, sondern durch einen Ansatz ergänzt werden, der Ökosystemen selbst eine rechtliche Stellung gibt. Flüsse, Wälder, Meere und andere Ökosysteme könnten dadurch stärker als eigenständige Träger von Rechten berücksichtigt werden.

Die Initiative verweist dabei auf bereits bestehende Entwicklungen in Europa und möchte einen gemeinsamen europäischen Rahmen schaffen.

Ein europäisches Netzwerk für die Rechte der Natur

Hinter der Initiative steht eine wachsende europäische Bewegung. Partner-Organisationen aus 16 Ländern beteiligen sich an dem gemeinsamen Vorhaben und arbeiten daran, die Idee der Rechte der Natur europaweit bekannt zu machen.

Der Start in Brüssel markiert den Beginn einer europaweiten Kampagne, die in den kommenden Monaten Menschen dazu mobilisieren möchte, sich für eine neue rechtliche Perspektive auf Natur einzusetzen.

Ab Herbst 2026 soll die Sammlung der Unterschriften beginnen. Bis dahin gilt es, die Kampagne europaweit bekannt zu machen und Unterstützung für die Idee zu gewinnen.

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