Auszeichnung für Dr. Roda Verheyen – Recht so! 

Ein Kommentar von Markus Raschke, Geschäftsführung Protect the Planet

Es gibt Menschen, die man wegen ihrer einnehmenden Art sofort ins Herz schließt. Und es gibt Menschen, die scheinbar ganz unterschiedliche Aufgaben gleichzeitig bewältigen können. Roda Verheyen ist beides.

Bei meinem ersten Besuch erlebte ich die unprätentiöse Powerfrau aus Hamburg gleichzeitig beim Kuchenbacken, beim Schreiben einer Einkaufsliste, im Telefonat mit ihrer Kanzlei und beim Helfen bei den Hausaufgaben ihrer Tochter. Und irgendwie wirkte nichts davon zu viel.

Roda Verheyen bringt glaubwürdig rüber, dass es ihr als Juristin tatsächlich um Gerechtigkeit geht. Naiv ist sie dabei nicht – sondern strategisch, analytisch und dabei empathisch und ungeheuer klar. Ich erinnere mich noch gut an unsere erste Begegnung im Dezember 2017 mit weitreichenden Folgen.

Mit Roda Verheyen kann man den Verbrechen an unserer Zukunft im Gerichtssaal begegnen. Etwa mit dem „People’s Climate Case“, der ersten europäischen Klimaklage gegen die unzureichenden Klimaziele der EU, die auf eine Initiative unserer Stifterin Dorothea Sick-Thies zurückgeht und die wir von Protect the Planet gemeinsam mit ihr auf den Weg gebracht haben, damals noch unter der Leitung von Markus Gohr, der heute der Sick-Umweltstiftung vorsteht.

Klägerfamilien von Jokkmokk in Nordschweden bis Badan Rero in der kenianischen Wüste forderten darin den Schutz ihrer Menschenrechte – und waren mit Roda Verheyen bestens vertreten. Aus dieser gemeinsamen Arbeit entstand auch die erfolgreiche Verfassungsbeschwerde gegen das deutsche Klimaschutzgesetz, die Roda u. a. mit Germanwatch und Greenpeace voranbrachte. Der historische Klimabeschluss von 2021 machte deutlich: Der Staat darf Klimaschutz nicht immer weiter in die Zukunft verschieben und damit die Freiheitsrechte junger und kommender Generationen beschneiden.

Im Verfahren des peruanischen Bauern und Bergführers Saúl Luciano Lliuya gegen RWE konnten wir Roda live im Gerichtssaal erleben – 2025 stellte das Oberlandesgericht Hamm grundsätzlich fest, dass große Emittenten für konkrete Folgen der Klimakrise direkt haftbar gemacht werden können. Ein Meilenstein für künftige Verfahren gegen fossile Großemittenten.

Roda Verheyen hat entscheidend dazu beigetragen, die Klimafrage aus wissenschaftlichen Berichten und politischen Sonntagsreden in die Gerichtssäle zu bringen. Nicht, weil Gerichte die bessere Klimapolitik machen sollen. Sondern weil die Politik ihre Verantwortung immer wieder verweigert – und Recht dort gebraucht wird, wo Macht begrenzt und Verantwortung eingefordert werden muss.

Heute ist Roda eine der bekanntesten Umweltanwält*innen Deutschlands und Richterin am Hamburgischen Verfassungsgericht – bei vollständiger Bodenhaftung.

Wir bei Protect the Planet dürfen seit vielen Jahren mit ihr zusammenarbeiten. Immer wieder beeindrucken uns ihre juristische Klarheit, ihre Beharrlichkeit und ihre Fähigkeit, hochkomplexe Fragen für Laien verständlich auf den Punkt zu bringen.

Dass Roda nun mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet und durch den Bundespräsidenten geehrt wird, hat sie sich redlich verdient. Mit dieser Auszeichnung wird nicht nur eine herausragende Juristin geehrt. Ausgezeichnet wird eine Frau, die das Umwelt- und Klimarecht verändert, neue Wege geöffnet und vielen Menschen gezeigt hat: Man muss Macht und Verantwortungslosigkeit nicht einfach hinnehmen. Man kann sich wehren.

Wir sind stolz auf unsere gemeinsame Arbeit und dankbar, Roda als Menschen zu kennen.

Liebe Roda, wir gratulieren dir von Herzen – und freuen uns auf alles, was wir gemeinsam noch in Bewegung bringen werden.

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