Klimaaktivist Louis Motaal war im vergangenen Jahr für Protect the Planet auf der COP30 in Belém dabei und konnte vor Ort wertvolle Eindrücke sammeln. Mit Blick auf die COP31, die im November 2026 in Antalya stattfinden wird, schildert er seine Erfahrungen und gibt eine Einschätzung dazu, worauf es in diesem Jahr besonders ankommen wird – und was das konkret für uns bedeutet.
Im November wird die Klimakonferenz in Antalya in der Türkei stattfinden. Vor dieser Entscheidung kämpften sowohl Australien als auch die Türkei erbittert darum, die COP31 im eigenen Land hosten zu dürfen. Das lässt fast für einen Moment vergessen, dass Klimaschutz aktuell nicht das Top-Thema auf der Weltbühne ist. Geeinigt wurde sich darauf, dass die Konferenz in Antalya in der Türkei stattfindet, Australien aber inhaltlich wesentliche Akzente setzen wird. Erfahrene Verhandler*innen befürchten, dass eine solche Doppelspitze bei den Verhandlungen zu längeren Abstimmungsprozessen führen könnte und die Verhandlungen dadurch erschwert werden. Positiv stimmt Expert*innen, dass Australien mit einer möglichen Pre-COP mit Inselstaaten im Pazifik eine entscheidende Chance sein könnte, Schwung zu gewinnen, um im November in Antalya weiterzukommen als zuletzt in Belém.
Geopolitische Spannungen
Das Bröckeln der internationalen Ordnung gefährdet das Pariser Klimaabkommen und sorgt für eine negative Grundstimmung. Für die Klimakonferenz in Antalya gilt es sich auf diese unerbittliche Weltlage einzulassen und zu schauen, wo trotzdem Erfolge erzielt werden können. Um den Herausforderungen der Klimakrise gerecht zu werden braucht es neue Impulse abseits der Klimakonferenzen, um Fortschritte zu erzielen.
Der Abschied der USA aus dem Pariser Klimaabkommen ist bedauerlich, wird aber nicht mehr von allen so negativ, wie in der Vergangenheit, bewertet. Seit dem Kyotoprotokoll war es immer auch die USA, welche die Verhandlungen blockierte und mit roten Linien massiv einschränkte. Über die Jahre gab es zahlreiche starke Argumente für eine Integration der USA als größte Volkswirtschaft, in die Klimaabkommen. Jedoch kann auch eine Stärke darin liegen, wenn die COP kein Ort ist, an dem ein ständiges Trump-Appeasement passieren muss, wie das in anderen internationalen Organisationen der Fall ist. Bereits in Belém war spürbar, dass es keine aggressiven Einmischungsversuche seitens der US-Administration mehr gab. Anders als noch in Baku, wo Trump Argentiniens Präsidenten Milei, versuchte zum Ausstieg aus dem Pariser Abkommen zu bewegen. Das gelang unter anderem nicht, weil Argentinien finanziell vom Pariser Klimaabkommen profitiert. Man könnte also argumentieren, dass das Abkommen in Teilen robuster ist als erwartet.
Die Leise Hoffnung ist, dass jetzt eine vertraulichere Zusammenarbeit mit Indien, China, der EU und den Ländern der Afrikanischen Union gelingen kann. Hier liegt eine Chance für Klimaschutz und den Erhalt internationalen Verträge insgesamt. Aber die zahlreichen Konflikte in der Ukraine oder im Nahen Osten werden diesen Prozess weiter erschweren.
Unaufhaltsamer Fortschritt
Eine weitere Entwicklung auf die auch Jennifer Morgan immer wieder verweist, ist die Annahme, dass die Weltwirtschaft in relevanten Teilen schon auf die Seite der klimaneutralen Industrien gekippt ist. Zum Beispiel im Automobilbereich mit dem unaufhaltsamen Wachstum der E-Mobilität. Auch in der Energiebranche ist der Zubau fast ausschließlich von Erneuerbaren Energien geprägt. Die wirtschaftlichen Faktoren, so die Hoffnung, können es am Ende mit dem Poltern der USA aufnehmen. Die Transformation wird durch das Pariser Klimaabkommen gestärkt, ist aber vor allem auch in der wirtschaftlichen Logik eigenständig und kann sich deshalb überall wirksam durchsetzen.
Neben diesen leisen Hoffnungen steht die harte Realität, dass es auch in Belém wieder nicht gelungen ist, endlich den längst überfälligen Ausstieg aus fossilen Energien zu verabschieden. Nachdem in Dubai eher überraschend die Abkehr von fossilen Energien beschlossen wurde, gilt es jetzt festzulegen, wie und wann der tatsächliche Ausstieg aus fossilen Energien erfolgen muss. Dafür, so der Vorschlag der progressiven Länder, soll eine Roadmap für den Ausstieg aus fossilen Energien beschlossen werden. Die Inselstaaten hatten das Thema mit Hilfe der europäischen Union zu Beginn der Verhandlung in Belém auf die Agenda gesetzt. Während der zwei Wochen der Klimakonferenz schaffte es die Koalition nicht alle Länder für ihren Ansatz zu begeistern. Die Klimakonferenz endete mit minimalen Fortschritten beim Waldschutz und der Zusage der brasilianischen Präsidentschaft eine Roadmap bis zur COP in Antalya auszuarbeiten. Bei den Verhandlungen in Antalya wird es darum gehen, einen weiteren Versuch zu machen, den fossilen Ausstieg endlich zu beschließen.
Ein neues Abkommen
Dass ein solcher Ausstieg so schwierig zu beschließen ist liegt auch daran, dass Klimaverhandlungen von Seiten der fossilen Akteure dominiert, angegriffen und blockiert werden. Vielen die sich für Klimaschutz einsetzen, fehlt daher zunehmend die Zuversicht auf den COPs noch etwas zu erreichen. Daher stellt sich die Frage, wie können wir den Prozess wieder positiv Aufladen? Welche anderen Optionen haben wir wieder zu gewinnen? Ein Ansatz, der für uns nach der COP in Belém an Bedeutung gewonnen hat, ist ein neues Abkommen abseits der COP zum Ausstieg aus fossilen Energien. Ein Abkommen welches zunächst ohne die Blockierenden Ölstaaten auskommt. In Zeiten der Polarisierung und Radikalisierung, enden die Verhandlungen meist zum Nachteil der Konstruktiven, die sich immer auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen. Wie können Länder, die mehr wollen aus dieser Abwärtsspirale ausbrechen? Wie können wir Trump mit seinen gescheiterten Versuchen Kohlekraft zurückzubringen, hinter uns lassen?
Nach jahrelangem Engagement der NGO Fossil Fuel Treaty wird es im April eine erste Konferenz in Santa Marta, Kolumbien geben. Gemeinsam von den Niederlanden und Kolumbien organisiert, wird bei dieser Konferenz der fossile Ausstieg endlich konkreter und verbindlicher gestaltet. In Belém hatten sich bereits 80 Länder, öffentlich, für eine Roadmap ausgesprochen. Das ist eine vielversprechende Grundlage für die Konferenz in Santa Marta, die im besten Fall neuen Schwung in die internationale Klimadiplomatie bringen kann.
Antalya braucht neue Dynamik
Mit Blick auf die COP 31 in Antalya Ende dieses Jahres ist es wichtig, auf die kleinen Zeichen zu achten, welche die Klimakonferenz angesichts der geopolitischen Spannungen noch senden kann. In Zeiten, in denen das Pariser Abkommen und Klimaschutz allgemein heftigem Gegenwind ausgesetzt sind, ist es bereits ein Erfolg den Status quo zu erhalten. Fortschritte im Kampf gegen die Klimakrise können nicht bei den Verhandlungen allein erzielt werden, sondern müssen außerhalb erkämpft werden. Im besten Fall kann sich dann während der Verhandlungen darauf geeinigt werden. Damit die COP in Antalya ein Erfolg werden kann, braucht es externe relevante und dynamische Entwicklungen, wie den beschleunigten Ausbau der Erneuerbaren Energien oder ganz konkret die Konferenz in Santa Marta zum Ausstieg aus fossilen Energien.
In Antalya allein wird sich die Stimmung nicht ändern können, entscheidend ist was wir jetzt auf dem Weg dahin noch schaffen.

