Wasser wird auch in Deutschland immer knapper
Lange Zeit galt Wasser in Deutschland als selbstverständlich verfügbar. Doch dieses Bild verändert sich zunehmend. Quellen versiegen, Bäche führen weniger Wasser und die Grundwasserspiegel sinken vielerorts kontinuierlich. Besonders in den Sommermonaten machen sich die Folgen langer Trockenperioden bemerkbar: Böden trocknen aus, Wälder leiden unter Wassermangel und Flüsse erreichen historische Niedrigstände.
Wasserknappheit ist längst kein Problem mehr, das nur andere Regionen der Welt betrifft. Auch in Deutschland stehen Kommunen, Landwirtschaft, Industrie und private Haushalte zunehmend vor der Herausforderung, mit dieser begrenzten Ressource verantwortungsvoll umzugehen.
Grundwasser unter Druck: Jede zweite Region betroffen
Eine Überblicksstudie des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE), die im Auftrag des BUND erstellt wurde, zeigt ein deutliches Bild: Rund die Hälfte aller Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland ist bereits von akutem oder strukturellem Grundwasserstress betroffen. Besonders Regionen in Ost-, Nord- und Westdeutschland stehen unter erheblichem Druck.

(c) https://www.deutschlandfunk.de/wasserknappheit-deutschland-grundwasserstress-hitze-duerre-100.html
Die verfügbaren Daten aus dem Jahr 2022 zeigen, dass in Deutschland rund 18 Milliarden Kubikmeter Wasser aus Oberflächengewässern und Grundwasser entnommen wurden. Der größte Wasserverbrauch entfiel auf die Energiewirtschaft. Es folgten die öffentliche Wasserversorgung sowie Industrie und Bergbau, während die Landwirtschaft den geringsten Anteil an den gesamten Wasserentnahmen hatte.
Warum nimmt die Wasserknappheit zu?
Die Ursachen für die zunehmende Wasserknappheit sind vielfältig und verstärken sich gegenseitig.
Steigende Temperaturen und immer längere Trockenphasen sorgen dafür, dass weniger Regenwasser im Boden versickert. Stattdessen verdunstet ein größerer Teil direkt an der Oberfläche. Dadurch können sich die natürlichen Grundwasservorräte nur noch eingeschränkt erneuern.
Gleichzeitig wächst der Wasserbedarf. Vor allem die Landwirtschaft benötigt in trockenen Jahren deutlich mehr Wasser zur Bewässerung. Auch Industrie und wachsende Ballungsräume erhöhen den Druck auf die verfügbaren Wasserressourcen.
Regionale Herausforderungen
Je nach Region kommen weitere Faktoren hinzu. Dazu gehören unter anderem geringe natürliche Wasserverfügbarkeit, Belastungen des Grundwassers, Auswirkungen des Bergbaus und ein hoher Wasserbedarf in Großstädten und Metropolregionen.
Bereits heute existieren Maßnahmen wie Fernwasserleitungen oder Beschränkungen bei Wasserentnahmen wie die zuletzt im Juni 2026 eingeführte Allgemeinverfügung zur Wassernutzung in München. Die Erfahrungen der vergangenen Dürrejahre zeigen jedoch, dass diese allein künftig nicht ausreichen werden.
Welche Folgen hat Wasserknappheit?
Die Auswirkungen reichen weit über trockene Flussbetten hinaus. Wälder verlieren ihre Widerstandskraft gegenüber Schädlingen und Stürmen, landwirtschaftliche Erträge gehen zurück und Ökosysteme geraten aus dem Gleichgewicht. Gleichzeitig entstehen Nutzungskonflikte zwischen Landwirtschaft, Industrie, Energieversorgung und der öffentlichen Trinkwasserversorgung. Langfristig kann Wasserknappheit zudem die Wasserqualität beeinträchtigen und die Kosten für die Trinkwasseraufbereitung erhöhen.
Was können wir gegen Wasserknappheit tun?
Die gute Nachricht: Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Wasserressourcen nachhaltiger zu nutzen. Dafür sind sowohl politische Maßnahmen als auch das Verhalten jedes Einzelnen entscheidend.
- Wasser bewusster nutzen
- Wasser effizient einsetzen
- Wasser in der Landschaft halten
- Bessere Datengrundlagen schaffen
Naturschutz ist gleichzeitig Wasserschutz.
Intakte Wälder, Moore, Auen und artenreiche Landschaften wirken wie natürliche Wasserspeicher. Sie halten Niederschläge länger zurück, fördern die Grundwasserneubildung und tragen dazu bei, die Folgen von Dürreperioden abzumildern. Deshalb ist der Schutz der biologischen Vielfalt nicht nur für Tiere und Pflanzen entscheidend, sondern auch für unsere Wasserversorgung. Mit der Unterstützung der Naturschutzklage setzen wir uns dafür ein, dass bestehende Naturschutzverpflichtungen konsequent umgesetzt werden – denn nur gesunde Ökosysteme können ihre wichtige Funktion im Wasserhaushalt langfristig erfüllen.

Mehr Natur statt mehr Versiegelung
Intakte Ökosysteme und begrünte Städte spielen eine entscheidende Rolle im Umgang mit Wasser. Wälder, Moore und Auen speichern Niederschläge, fördern die Grundwasserneubildung und helfen dabei, Trockenperioden abzufedern. Auch in Städten können mehr Grünflächen und Bäume einen wichtigen Beitrag leisten: Sie verbessern die Versickerung von Regenwasser, kühlen ihre Umgebung und entlasten die Kanalisation bei Starkregen. Initiativen wie der BaumEntscheid München setzen sich deshalb für mehr Stadtbäume und eine klimaresiliente Stadtentwicklung ein – ein wichtiger Baustein, um Städte besser auf die Folgen des Klimawandels und zunehmender Wasserknappheit vorzubereiten.

Weitere Links und Informationen
- https://www.umweltbundesamt.de/auswirkung-des-klimawandels-auf-die#verschiedene-lsungsstrategien-wurden-vorgestellt
- Wasserressourcen und ihre Nutzung: https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltzustand-trends/wasser/wasserressourcen-ihre-nutzung#wassernachfrage
- Nationale Wasserstrategie: https://www.bundesumweltministerium.de/wasserstrategie
- Auswirkung des Klimawandels auf die Wasserverfügbarkeit: https://www.researchgate.net/profile/Ulf-Stein/publication/384801887_Auswirkung_des_Klimawandels_auf_die_Wasserverfugbarkeit_-_Anpassung_an_Trockenheit_und_Durre_in_Deutschland/links/6707bf65ab0241709965e065/Auswirkung-des-Klimawandels-auf-die-Wasserverfuegbarkeit-Anpassung-an-Trockenheit-und-Duerre-in-Deutschland.pdf?origin=scientificContributions
- Überblicksstudie des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE): https://www.isoe.de/aktuelles/grundwasserstress-in-deutschland-ueberblicksstudie-zeigt-regionale-hotspots

