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Liebe Leserinnen und Leser,

vor exakt fünf Jahren haben wir mit großer Spannung nach Frankreich geschaut. Dort sollte mit dem Klimaschutz-Vertrag von Paris ein neuer Meilenstein erreicht werden, mit einer Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad. Die letzten fünf Jahre haben gezeigt, dass in der Umsetzung die Ziele und die Realität weit auseinanderklaffen. Obwohl uns kluge junge Menschen seit 1982 in herzzerreißenden Auftritten bitten, dass wir uns endlich um ihre Zukunft kümmern sollen.
Dass die Ziele viel kürzer zu erreichen wären, zeigt die von Fridays for Future beim Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie in Auftrag gegebene Studie, wonach eine ambitioniertere Zielsetzung mit klimaneutraler Energieversorgung und CO2-Neutralität bereits bis 2035 möglich ist. Laut der Studie sind „die aktuellen Klimaziele der Bundesregierung (…) nicht vereinbar” mit den Verpflichtungen aus dem Pariser-Vertrag.
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Zitat aus der Studie: „Die deutschen Emissionen müssten also insbesondere in den kommenden fünf Jahren, und damit vor allem in der nächsten Legislaturperiode, dramatisch abnehmen. Die Einhaltung des 1,5-°C-Budgets erfordert CO2-Minderungsziele von mindestens -60 Prozent bis 2025 und mindestens -85 Prozent bis 2030."
Was muss nun dringend getan werden? Die Ziele für den Ausbau der Erneuerbaren Energien 2020-2035 müssen verdreifacht und der Ausbau – vor allem der Windenergie – beschleunigt werden. Zudem muss der Kohleausstieg deutlich früher geschehen als im Kohleausstiegsgesetz vorgesehen, neue Industrieanlagen müssen sich klimaneutral betreiben lassen, die energetische Sanierungsrate von Gebäuden muss massiv gesteigert werden und wir brauchen eine wirkliche Verkehrswende – um nur einige Maßnahmen zu nennen. Sonst ist das CO2-Budget der Bundesrepublik bis 2050 schon 2030-2035 aufgebraucht.

Corona zeigt, was möglich sein könnte

Interessanterweise zeigen die drastischen Maßnahmen zur Coronakrise, was in kurzer Zeit alles möglich ist. In einer aktuellen Studie sieht man aber auch, dass die Bundesrepublik nur wegen der Pandemiemaßnahmen ihre eigenen Klimaziele für 2020 erreicht und sich beim Klimaschutz weiterhin im schlechten Mittelmaß bewegt. Auf einer von Germanwatch e.V. veröffentlichten Leistungsskala, bleiben die ersten drei Plätze frei, da kein Land die Klimapandemie seriös mit dem Ernst behandelt, der notwendig ist, außer vielleicht Bhutan.
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Deutschland muss also nachbessern. Die Frage lautet nicht: Schaffen wir das? Sondern: Wir müssen das schaffen – sonst zerstören wir die Erde! Dazu brauchen wir durchgreifende Änderungen, wie ein – auch von der Klimawissenschaft geforderter – CO2-Preis von €180 pro Tonne. Im fortschrittlichen Schweden liegt der Preis bereits bei €115 pro Tonne.

Auch global braucht es verstärkte Anstrengungen. Gott sei Dank wurde einer der größten Klimaleugner im November abgewählt. Jetzt können wir hoffen, dass Joe Bidens Ankündigungen eines „Öko-Booms“ in den USA auch umgesetzt werden, wie etwa die klimaneutrale Energiebeschaffung bis 2035. Kritische Stimmen bleiben, auch wenn die Ernennung von John Kerry zum Klimabeauftragten Zuversicht vermittelt.

Energiewende vorantreiben


Umso mehr müssen wir tun, was in unserem Einflussbereich liegt, und das auch von unserer Politik vehement einfordern. Solar- und Windkraftausbau darf nicht gedeckelt werden und die unsinnige und willkürliche 10-h Regelung muss abgeschafft werden, die die meisten Flächen in Bayern für die Nutzung der Windkraft ausschließt. Denn solche Windkraftprojekte ermöglichen allen, genossenschaftlich und dezentral Eigentümer der Stromproduktion zu werden und daran zu partizipieren. Die Windkraftanlage in Berg am Starnberger See erwirtschaftet z. B. deutlich mehr als die ursprünglich für Investoren prognostizierten 5,5%. Die Errichtung der Anlage wurde lautstark bekämpft, die Verantwortlichen auf unsachlichen Plakaten der Windkraftgegner mit den Worten beleidigt: „Es werden sich schon ein paar dumme Investoren finden” und ein finanzielles Desaster wegen schlechtem Windertrag vorhergesagt. Doch das Gegenteil ist der Fall: im vergangenen Jahr hatte die Anlage schon im März die Hälfte des prognostizierten Jahresertrages produziert. Und zudem können Anwohner und Bürger, ab einer Anlagesumme von 1.000 Euro, Stromproduzent werden – hier ist das Geld deutlich besser angelegt als auf der Bank. So wie in Berg gibt es viele Beispiele dafür, dass Ökologie und Ökonomie keineswegs im Widerspruch stehen.
Die Realität sieht leider anders aus: die größten europäischen Kohlekonzerne, wie unter anderem RWE und Uniper erhalten nach wie vor Milliardensummen von Banken und Investoren. Das ist das Ergebnis der neuen Studie „Fool’s Gold – The financial institutions risking our renewable energy future with coal“ der europäischen NGO-Allianz Europe Beyond Coal. urgewald e.V. und elf weitere europäische und internationale Nichtregierungsorganisationen prangern hier mit Recht die Verantwortung von Finanzinvestoren an, solche Unternehmen nicht mehr zu unterstützen.

Das verdeutlicht auch folgende Zahl: Wenn alle Konzerne so wirtschaften würden wie RWE, würde sich die Erde um 13,8° im Mittel erhitzen, mit Sicherheit das Ende der Menschheit. Wieso darf so ein Unternehmen weiterhin legal am Markt wirtschaften? Auf dem Wochenmarkt darf man ja auch keine giftigen Lebensmittel verkaufen.

Es ist doch verrückt, dass Unicredit, Deutsche Bank, BNP Paribas und andere mit der Klimazerstörung immer noch Geld verdienen. Die großartige Organisation urgewald legt solche Missstände offen und macht sie publik. Deshalb fördern wir auch dieses so wichtige Engagement. Vielleicht schließen Sie sich uns ja an und unterstützen die Arbeit von urgewald e.V.

Skandal in München

Was es bringt, aufzuklären und vehement einzufordern, zeigt unser Engagement in München. Wir haben massiv gegen die Investitionen der Stadtwerke München in Öl und Gas protestiert. Markus Raschke von Protect the Planet und die Mitstreitenden von Raus-aus-der-Steinkohle, Extinction Rebellion, Fossilfree und der Fridays For Future-Bewegung machten in kreativen Aktionen auf die Verantwortung der Stadt München aufmerksam, die mit ihrer Tochtergesellschaft Spirit Energy am Polarkreis nahe dem Naturschutzgebiet Bäreninsel nach Öl bohrt. Ölbohrungen im Auftrag der Kommune müssen gestoppt werden – unterzeichnen Sie daher bitte diese Petition! Kurz vor Veröffentlichung des Newsletters höre ich, dass die Stadtregierung infolge der Proteste nun teilweise einlenkt.
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Mit Expertise, Erfahrung und Beharrlichkeit kommt man schneller ans Ziel. Bei Protect the Planet konnten wir dieser Devise folgend Dr. Martin Köppel als neuen Geschäftsführer gewinnen, der mit Elan seit Oktober mit uns für Klima-, Arten- und Umweltschutz aktiv ist.
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Die Zeit drängt

Wir haben nur noch 10 Jahre Zeit, die Weichen für eine Welt zu stellen, die nach dem Beispiel indigener Völker mit den Ressourcen lebt, die zur Verfügung stehen.
Doch es gibt faszinierende Lösungen, an denen wir mitwirken und dazu beitragen können, dass sich unsere Erde wieder regeneriert. Und: Was kann es Schöneres geben als einen Beitrag zu leisten, damit unsere Kinder eine lebenswerte Zukunft haben?
Gleichzeitig können wir die Kraft und Herzenswärme der Gemeinschaft von Menschen erleben, die für unseren Planeten kämpfen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Lieben frohe und

besinnliche Weihnachten sowie ein gesundes Jahr 2021!

Herzlichst, Ihre
Dorothea Sick-Thies und das Team von Protect the Planet
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Mehr zu Protect the Planet, den aktuellen Kampagnen und Aktionen erfahren Sie auf unserer Webseite und auf Facebook. Wir freuen uns auf Ihre Kritik, Anregungen, Kontakte und Verbreitung!